Ordnung im Integrationsdschungel: Ein verständlicher Einstieg in SAP ISA-M

Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, eine wachsende Zahl von Anwendungen, Plattformen und Systemen miteinander zu verbinden. Diese Systeme sollen nicht nur Daten austauschen können, sondern gemeinsam Prozesse abbilden und verlässlich funktionieren. Über die Jahre entstehen jedoch häufig punktuelle Einzelverbindungen, die jeweils nur einen lokalen Zweck erfüllen. Dadurch wächst die Komplexität, Transparenz geht verloren und Änderungen in einem System führen oft zu unerwarteten Auswirkungen in anderen Bereichen der IT-Landschaft.

Der Begriff Integration beschreibt in diesem Zusammenhang die Fähigkeit von Anwendungen, Datenflüssen und Prozessen, systemübergreifend koordiniert zu arbeiten. Ziel ist es, Informationen konsistent auszutauschen und Abläufe zuverlässig zu unterstützen. Genau hier setzt die SAP Integration Solution Advisory Methodology (ISA-M) an. Sie bietet eine strukturierte Herangehensweise, um Integrationslandschaften planbar, steuerbar und langfristig wartbar zu gestalten.

Ziel dieses Beitrags ist eine strukturierte Orientierung zu ISA-M: Begriffe, zentrale Bausteine und Einordnung in den Integrationskontext. Der Beitrag ist bewusst neutral gehalten und richtet sich an Leser, die ISA-M als Methodik verstehen möchten. Er ersetzt keine Projekterfahrung, keine Tool-Auswahl und keinen Implementierungsleitfaden.

Was ISA-M auszeichnet

Die SAP Integration Solution Advisory Methodology (ISA-M) ist als methodischer Ordnungsrahmen konzipiert, der Integrationsanforderungen unabhängig von konkreten Technologien oder Produkten beschreibt. Im Mittelpunkt steht nicht die Umsetzung einzelner Schnittstellen, sondern die systematische Einordnung von Integrationsszenarien innerhalb einer Gesamtlandschaft.

ISA-M folgt einem prinzipienbasierten Ansatz. Integrationsanforderungen werden nicht isoliert betrachtet, sondern im Kontext fachlicher Abläufe, technischer Rahmenbedingungen und organisatorischer Verantwortlichkeiten eingeordnet. Die Methodik stellt hierfür ein gemeinsames Begriffs- und Strukturmodell bereit, das eine konsistente Beschreibung unterschiedlicher Integrationsszenarien ermöglicht.

Ein zentrales Merkmal von ISA-M ist die Trennung von Klassifikation und Implementierung. Die Methodik beschreibt, wie Integrationsanforderungen strukturiert und kategorisiert werden können, ohne Aussagen über konkrete Produkte, Werkzeuge oder technische Realisierungen zu treffen. Dadurch bleibt ISA-M unabhängig von spezifischen Plattformen oder Architekturentscheidungen.

Darüber hinaus ist ISA-M domänenübergreifend angelegt. Sie adressiert Integrationsszenarien innerhalb eines Unternehmens ebenso wie unternehmensübergreifende Integrationen und berücksichtigt dabei sowohl technische als auch organisatorische Aspekte. Die Methodik dient damit als einheitlicher Bezugsrahmen für unterschiedliche Rollen und Perspektiven im Integrationskontext.

Einordnung von Integrationsstilen und vorkonfigurierten Integrationen

Integrationsstile beschreiben grundlegende Muster, nach denen Systeme miteinander interagieren. Sie dienen der konzeptionellen Einordnung von Integrationsanforderungen und abstrahieren bewusst von konkreten technischen Umsetzungen, Produkten oder Plattformen. In ISA-M werden Integrationsstile als Klassifikationsmerkmal verwendet, nicht als Vorgabe für eine bestimmte Implementierung.

Davon abzugrenzen sind vorkonfigurierte Integrationen, wie sie von Software- und Plattformanbietern bereitgestellt werden. Im SAP-Umfeld werden solche Inhalte unter anderem über den SAP Business Accelerator Hub veröffentlicht. Dazu zählen beispielsweise Integrationspakete sowie standardisierte Prozess- und Schnittstellenbausteine, die konkrete technische Ausprägungen bestimmter Integrationsszenarien darstellen.

Die konkrete technische Umsetzung von Integrationsszenarien findet damit auf einer anderen Ebene statt als die methodische Einordnung durch ISA-M. Vorkonfigurierte Integrationsinhalte können als Referenz oder Ausgangspunkt für Implementierungen dienen, sind jedoch kein Bestandteil der Integrationsstile selbst. ISA-M ordnet solche Inhalte konzeptionell ein, ohne sie zu bewerten oder vorauszusetzen, und trennt damit klar zwischen methodischem Ordnungsrahmen und technischer Realisierung.

Einordnung: Typische Einsatzkontexte von ISA-M

ISA-M wird in IT-Landschaften eingesetzt, in denen eine Vielzahl heterogener Systeme, Integrationsstile und technischer Plattformen zusammenwirken. Solche Landschaften entstehen häufig durch historisch gewachsene Systemarchitekturen, hybride Betriebsmodelle oder parallel laufende Transformationsprogramme.

ISA-M dient in diesen Kontexten als methodischer Bezugsrahmen zur strukturierten Beschreibung von Integrationsanforderungen. Die Methodik ordnet Integrationsszenarien entlang definierter Domänen, Integrationsstile und Governance-Aspekte ein, ohne sich auf konkrete Produkte oder Implementierungsdetails festzulegen.

Typische Einsatzfelder umfassen unter anderem komplexe ERP-Landschaften, unternehmensübergreifende Prozessketten sowie Integrationsszenarien mit unterschiedlichen Anforderungen an Kopplung, Latenz, Stabilität und Verantwortlichkeiten. ISA-M stellt hierfür ein gemeinsames Vokabular und ein konsistentes Ordnungsmodell bereit.

Zentrale Artefakte und Ergebnisse von ISA-M

ISA-M definiert eine Reihe konzeptioneller Artefakte, die zur strukturierten Beschreibung von Integrationslandschaften dienen. Diese Artefakte bilden gemeinsam einen methodischen Rahmen, der unabhängig von konkreten Implementierungen oder Produkten ist.

Integrationsstile
ISA-M unterscheidet verschiedene Integrationsstile, etwa prozessgesteuerte, ereignisbasierte oder datenorientierte Integration. Sie beschreiben grundlegende Muster, nach denen Systeme miteinander interagieren.

Integrationsdomänen
Integrationsszenarien werden funktionalen Domänen zugeordnet, beispielsweise Application-to-Application-, Business-to-Business- oder User-to-System-Integration. Die Domänen dienen der systematischen Einordnung von Integrationsanforderungen.

Entscheidungskriterien
ISA-M beschreibt technische und fachliche Kriterien zur Charakterisierung von Integrationsanforderungen, darunter Aspekte wie Kopplungsgrad, Latenz, Synchronität oder Stabilitätsanforderungen.

Governance- und Organisationsaspekte
Die Methodik berücksichtigt organisatorische Rahmenbedingungen wie Rollen, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsprozesse im Integrationskontext. Diese Aspekte sind Bestandteil der strukturellen Einordnung, nicht der technischen Umsetzung.

Referenzmodelle und Sichten
ISA-M stellt verschiedene Sichten auf Integrationslandschaften bereit, um Zusammenhänge zwischen Anforderungen, Stilen, Domänen und Governance-Aspekten konsistent darzustellen.

Konzeptionelle Veranschaulichung anhand eines Beispiels

Ein kommunaler Energieversorger plant den schrittweisen Umstieg auf SAP S/4HANA Utilities. Gleichzeitig müssen zahlreiche bestehende Systeme angebunden bleiben, darunter Marktkommunikations- und EDM-Systeme, Abrechnungslösungen wie SAP IS-U oder Drittprodukte, MDM- und Geräteverwaltungssysteme, ein GIS, CRM-Anwendungen für Netz und Vertrieb sowie IoT-Datenquellen aus Zählern, Ladesäulen und Erzeugungsanlagen. Die Integrationslandschaft ist historisch gewachsen und enthält viele direkte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, die über die Jahre immer weiter ergänzt wurden.

Ohne eine methodische Herangehensweise würde jede Modernisierung oder Systemablösung zu individuellen Projekten mit eigenen Schnittstellenlogiken führen. Das erhöht nicht nur Komplexität und Betriebsaufwand, sondern erschwert auch Themen wie Sicherheitsanforderungen (BSI/ISO), regulatorische Nachweispflichten, sowie die Umsetzung neuer Vorgaben in der Marktkommunikation.

Mit ISA-M wird zunächst die bestehende Integrationsarchitektur systematisch analysiert. Anschließend werden bevorzugte Integrationsstile definiert, zum Beispiel die API-basierte Kopplung von CRM und S/4HANA-Prozessen, Event-basierte Integration für Zähler- und Sensordatenströme sowie Batch-basierte Datenintegration für EDM- und Abrechnungsprozesse. Rollen und Verantwortlichkeiten werden zwischen Netzbetrieb, Shared Service, Vertrieb und IT-Architektur klar zugeordnet.

Das Ergebnis ist ein nachvollziehbares, wiederverwendbares Integrationszielbild, das nicht nur technische Verbindungen standardisiert, sondern auch Governance, Dokumentation und den Betriebsprozess verbindlich festlegt. Zukünftige Anpassungen – etwa im Zuge der Einführung neuer Marktrollen oder regulatorischer Änderungen – lassen sich dadurch transparenter, schneller und mit geringerem Risiko umsetzen.

Einordnung im Kontext von Integrationsarchitektur

Die ISA-M ist als konzeptioneller Ordnungsrahmen für Integrationslandschaften angelegt. Sie lässt sich in unterschiedliche organisatorische und architektonische Kontexte einordnen, etwa in bestehende Enterprise-Architecture-Ansätze, Integrationsstrategien oder Governance-Modelle.

In der praktischen Anwendung wird ISA-M häufig mit weiteren Architektur- und Planungsinstrumenten kombiniert. Dazu zählen unter anderem Prinzipien der Enterprise Architecture, organisationsspezifische Richtlinien zur Integration sowie technische Referenzarchitekturen. ISA-M selbst trifft dabei keine Aussagen zur konkreten Ausgestaltung dieser Instrumente, sondern stellt eine methodische Grundlage zur strukturierten Beschreibung von Integrationsanforderungen bereit.

Dieser Beitrag versteht sich daher als Überblick über Begriffe, Konzepte und Einordnung von ISA-M. Vertiefende Fragestellungen – etwa zur konkreten Umsetzung, zur organisatorischen Verankerung oder zur Bewertung von Integrationslösungen – liegen außerhalb des hier betrachteten Rahmens.


Referenzen und weiterführende Quellen

Die in diesem Beitrag dargestellten Inhalte zu ISA-M beruhen im Wesentlichen auf den offiziellen Veröffentlichungen der SAP. Die zentrale Referenz bildet die SAP Integration Solution Advisory Methodology [1] auf der SAP-Website, in der Ziele, Struktur und Anwendungsrahmen der Methodologie beschrieben werden. Ergänzend dazu bietet die SAP Learning Journey „Understanding the ISA-M Methodology“ [2] eine schrittweise, praxisorientierte Einführung in die Integrationsstile, Governance-Aspekte und Architekturprinzipien von ISA-M.

Für die praktische Umsetzung stehen im SAP Business Accelerator Hub [3] vorkonfigurierte Vorlagen, Integrationsmuster und API-/Event-Blueprints zur Verfügung, die in Projekten direkt verwendet oder unternehmensspezifisch angepasst werden können. Diese Primärquellen bilden die fachliche Grundlage für die Arbeit mit ISA-M und unterstützen sowohl den methodischen Einstieg als auch die konkrete Ausprägung in Transformationsprojekten.

[1] Integration Methodology | Services and Support

[2] Understanding the ISA-M Methodology for SAP Integration Suite

[3] SAP Business Accelerator Hub

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